Ulrich Alexander Boschwitz

Der Reisende

Buchtipp im April 2018 von Marlene Poldervaart (Weil am Rhein)

Ulrich Alexander Boschwitz

Der Reisende

Klett-Cotta

978-3-608-98123-0

20 €

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Der Reisende

Otto Silbermann, ein angesehener, wohlhabender jüdischer Kaufmann, flüchtet während der Reichspogromnacht aus seiner Wohnung. Als sein Versuch, ins Ausland zu fliehen scheitert, flüchtet er sich in die Reichsbahn und fährt kreuz und quer durch Deutschland. Er trifft auf Nazis, Mitläufer und Menschen, die ihm helfen. Seine Versuche werden immer verzweifelter, was sich in Gesprächen und seinem zunehmend wahnhaftem inneren Dialog widerspiegelt.

Ebenso faszinierend ist die Entstehungsgeschichte dieses Romans. Ulrich Alexander Boschwitz, erst 23 Jahre alt, schrieb diesen Roman, unmittelbar nach den Novemberpogromen 1938, in nur wenigen Wochen während seiner Flucht.  In England wurde er kurz vor Kriegsbeginn interniert und nach Australien gebracht. Auf der Rückreise, da war er 27, wurde sein Schiff von einem deutschen U-Boot torpediert und sank. „Der Reisende“ erschien 1939 in England und 1940 in den USA. Kein Geringerer als Heinrich Böll setzte sich nach Kriegsende leidenschaftlich für die Veröffentlichung in Deutschland ein, doch erst 2018 wurde es vom Klett-Cotta Verlag nun erstmals herausgegeben.

Vielleicht erfährt man in diesem Buch nichts Neues über diesen Abschnitt deutscher Geschichte, aber selten habe ich etwas gelesen, dass die Atmosphäre dieser Tage so eindrucksvoll aufleben lässt.

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